BARF für Welpen

Der Verdauungstrakt des Welpen muss sich nach der Entwöhnung von der Muttermilch an eine Vielzahl neuer Stoffe gewöhnen und Stück für Stück lernen diese bestmöglich zu verdauen. Er lernt im Welpenalter, die aufgenommene Nahrung als Nährstoff zu erkennen. Das Immunsystem lernt, dass es keinen Grund gibt, gegen diese Nahrungsbestandteile vorzugehen. Die so genannte „orale Toleranz“ verhindert so, dass der Welpe, allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten gegen diese „Fremdstoffe“ entwickelt. Gleichzeitig ist das Immunsystem weiterhin aufmerksam und kann Krankheitserreger ausmachen und den Körper schützen. Damit sich die orale Toleranz entwickeln kann, ist es wichtig, dass die Mahlzeiten aus „klar erkennbaren“, einzelnen Futterbestandteilen bestehen. Pro Mahlzeit gibt es also maximal eine neue Zutat oder Tierart.
Schwer verdauliche Proteine, z.B. aus pflanzlichen Quellen oder bindegewebsreiche, tierische Produkte, die der Verdauungstrakt des Welpen noch nicht verarbeiten kann sollten gemieden werden. Empfehlenswert ist stattdessen, hochwertige, leicht verdauliche Proteine zu verfüttern, da der Welpe diese Proteine besser für sein Wachstum nutzen kann.

Allgemein unterscheidet sich beim BARF der Futterplan eines Welpen nicht grundlegend von dem eines ausgewachsenen Hundes, da grundsätzlich immer noch das Beutetier-Prinzip angewendet wird: man versucht bestmöglich ein Beutetier zu imitieren. Nahrungsergänzungsmittel sollten wohl bedacht und nur wenn benötigt, individuell eingesetzt werden.

Auf ein paar Dinge sollte geachtet werden:
  • Aufgrund des erhöhten Energie- und Nährstoffbedarfs im Wachstum, sollte die Futtermenge bei Welpen zwischen 4% - 6% liegen, in einigen Fällen auch bei bis zu 10% des Körpergewichts.
    Unabhängig vom BARF sollte der Welpe einmal pro Woche gewogen werden, das Gewicht mit der empfohlenen Wachstumskurve verglichen und die Futtermenge an Gewicht und Wachstumsgeschwindigkeit angepasst werden. Entspricht das Gewicht der Kurve oder liegt leicht darunter: genau richtig! Liegt das Gewicht oberhalb der Kurve sollte die Futtermenge reduziert, bzw. nicht weiter erhöht werden.
    Die empfohlene Wachsstumskurve zeigt das typische Gewicht für ein bestimmtes Alter, abhängig von der Rasse bzw. vom Gewicht des ausgewachsenen Hundes. Der individuelle Verlauf schwankt meist stärker.
    Die Futtermenge orientiert sich am aktuellen Gewicht und dem Wachstum. In den ersten vier Monaten ist der Energiebedarf meistens höher, mit zunehmendem Alter verringern sich Gewichtszunahme und Futtermenge.
  • Welpen sollten täglich oder zumindest alle paar Tage möglichst alle wichtigen Nährstoffe erhalten - nicht jeden Tag aufs Gramm genau, aber ein bisschen von allem sollte immer dabei sein.
  • Ein hoher Anteil von bestimmten Geteidesorten im Futter kann dazu führen, dass die Aufnahme wichtiger Mineralstoffe wie z.B. Kalzium gehemmt wird. Je nachdem, welche Knochen verfüttert werden sollen, kann es sinnvoll sein, Getreideprodukte zu meiden.
  • Es empfiehlt sich, zu Beginn eher weichere Knochen zu verfüttern, da diese leichter verdaulich sind. Diese enthalten weniger Kalzium, daher sollte der Knochenanteil erhöht werden. Es gilt also: ca. 12%-15% eher härtere Knochen (gewolft oder geraspelt von Rind oder Pferd beispielweise) bzw. etwa 20% weichere Knochen wie Hühner- oder Putenhälse, dafür sinkt entsprechend der Pansen/Blättermagen-Anteil.
  • Während der Wachstumsphase sollte auf einen Fastentag verzichtet werden.

Hintergrundinfos für Freunde der detaillierten Rechnerei

Immer wieder hört man, dass es total kompliziert sei, einen Welpen zu barfen. Es wäre besser, „sicherheitshalber“ Fertigfutter zu füttern, bis der Hund ausgewachsen sei, vor allem mit Kalzium sei im Wachstum nicht zu spaßen.

Futtermittelvergleich: Kalziumgehalt Nassfutter und BARF
Kalzium pro 1000kcal Kalzium pro 100g
Trockensubstanz
Rinti Kennerfleisch Junior
  • 0,33% Kalzium
  • 118 kcal/100g
  • 76% Feuchtigkeit
2,8g Kalzium 1,37g Kalzium
Naturavetal Welpenmenü
  • 0,42% Kalzium
  • 110kcal/100g
  • 77% Feuchtigkeit
3,8g Kalzium 1,82g Kalzium
Vet Concept GEFLÜGEL
  • 0,36% Kalzium
  • 105 kcal/100g
  • 76% Feuchtigkeit
3,4g Kalzium 1,5g Kalzium
Platinum Menü Puppy Chicken
  • 0,5% Kalzium
  • ca. 154 kcal/100g
  • 70% Feuchtigkeit
3,2g Kalzium 1,6g Kalzium
BARF Putenmenü *1
  • 0,34% Kalzium
  • 143kcal/100g
  • 67% Feuchtigkeit
2,4g Kalzium 1g Kalzium
BARF Rindermenü *2
  • 0,6% Kalzium
  • 137kcal/100g
  • 71% Feuchtigkeit
4,4g Kalzium 2g Kalzium
Empfehlung FEDIAF
(Alleinfuttermittel für Welpen)
Minimum: 2,5g
Maximum: 4g
Minimum: 1g
Maximum: 1,6g

*1 Putenmenü: 20% Putenhals (1,7g Ca/100g), 3% Putenleber, 20% Karotten , 57% Muskelfleisch (15% Fett)
*2 Rindermenü: 15% Brustbein (3g Ca/100g), 12% Innereien, 20% Karotten, 12% Pansen, 41% Fleisch (15% Fett)

Wie man sieht, gibt es auch beim Kalzium durchaus Spielraum und auch beim Fertigfutter wird man, je nachdem wie viel Energie der individuelle Vierbeiner benötigt, durch verschiedene Futtermengen, je nach Hund, verschiedene Mengen Kalzium verfüttern. Beim BARF gilt wie immer die Regel: abwechslungsreich füttern. Der Welpe lernt nach und nach die verschiedenen Fleischsorten kennen und bekommt dann auch verschiedene Knochen, mal mit mehr Kalzium, mal etwas weniger. Natürlich muss man die Pläne ein bisschen anpassen, je nachdem welche Knochen gefüttert werden, aber das ist kein Hexenwerk und wenn ihr unsicher seid, könnt ihr uns einfach fragen.

Kalziumbedarf aufs Hundegewicht bezogen
Berechnet man den reinen Kalziumbedarf nach NRC oder Meyer/Zentek fällt auf, dass die errechneten Werte teilweise deutlich höher ausfallen, als das Kalzium, das im Futter zur Verfügung steht, auch wenn die Richtwerte für Futtermittel eingehalten werden.
Beispiel: Labradorwelpe mit ca. 30kg Endgewicht
Alter Gewicht Futtermenge Kalzium BARF (Geflügel­knochen) Kalzium BARF (Rinder­knochen) Kalzium­bedarf
nach NRC
2 Monate 6kg 550g 1,87g 3,3g 3,5
5 Monate 18kg 750g 2,55g 4,5g 5,38g
8 Monate 23kg 1100g 3,74g 6,6g 5,42g
12 Monate 27kg 1200g 4,08g 7,2g 5,28

Die unterschiedlichen Empfehlungen für den Kalziumbedarf kommen beispielsweise zustande, je nach dem, wie die Fütterung bei der Ermittlung generell aussah, welche Kalziumquelle verwendet wurde und ob/welche Futterbestandteile die Kalziumaufnahme hemmten (s. z.B. Bioverfügbarkeit: www.der-barf-blog.de/barf-calcium.html). Laut Meyer/Zentek ist eine Unterschreitung dieser Werte von bis 20% problemlos möglich, solange Phosphor, Vitamin D und Magnesium in entsprechender Menge zur Verfügung stehen.
Wer sich nicht nur BARF-typisch am Beutetier oder anderen Futtermitteln orientieren, sondern die NRC-Werte genau einhalten will, der kann zum einen über die Futtermenge mit angepasster Energiedichte, zum anderen über Kalziumpräparate die Kalziumversorgung anpassen. Dabei muss man jedoch bedenken, dass die Futtermenge, abhängig vom Energiegehalt, Auswirkungen auf die Wachstumsgeschwindigkeit hat und auch eine Überversorgung mit Kalzium durch Mineralzusätze vermieden werden sollte (www.tiermedizin.com/calciumversorgung).
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