Haut und Haar

Die Haut ist ein Organ mit vielfältigen Aufgaben. Sie bietet Schutz vor mechanischen, chemischen und biologischen Einflüssen und ist ein vielseitiges Sinnesorgan. Als Speicherorgan stellt sie dem Körper z.B. Wasser, Fette, Vitamine, Elektrolyte oder Aminosäuren zur Verfügung. Über die Haut kann die Temperatur reguliert werden. Überschüssige Stoffe werden ausgeschieden („Entgiftung“) und sie ist z.B. zuständig für die Bildung von Pigmenten, Vitamin D, Immunstoffen, Schweiß und Talg.

Bei der Vielfalt an Aufgaben ist es nicht verwunderlich, dass auch der Aufbau etwas komplexer ist. Die Oberhaut ist die äußerste Schicht. Sie hat keine eigenen Blutgefäße, es können nur nahe der Lederhaut, neue Zellen entstehen. Diese wandern immer weiter zur Oberfläche, wobei sie sich Stück für Stück verändern, verhornen und mit Fetten zusammen eine schützende, wasserabweisende Hornhaut bilden. Regelmäßig lösen sich kleine Teile davon, das sind dann kleine Schuppen, die man eventuell im Fell sehen kann. Eine vermehrte Ablösung ist ein Zeichen für eine Störung der Haut. Eine mögliche Ursache für stärkeres Schuppen kann eine Futtermittelunverträglichkeit sein.
Schuppende Haut bei Futtermittelunverträglichkeiten
Unterhalb der Oberhaut liegt die Lederhaut, die vor allem aus Kollagen und elastischen Fasern besteht. Die hier verlaufenden Blutgefäße sind für Lieferung und Abtransport verschiedener Stoffe verantwortlich. Das Lymphgefäßsystem sorgt für eine geleeartige Flüssigkeit, sodass sich im Zellzwischenraum Abwehrzellen und andere Bestandteile des Immunsystems bewegen können.

In dieser Schicht befinden sich die meisten Sinneszellen, so können beispielsweise Druck, Dehnung, Vibration oder Temperatur wahrgenommen werden. Nozizeptoren nehmen Schmerz oder in Verbindung mit Histamin Juckreiz wahr. Als unspezifisches Symptom kann Jucken z.B. auf Unverträglichkeiten und Allergien aber auch auf Parasiten oder Pilze hinweisen. Manche Hautabschnitte haben eine nervliche Beziehung zu bestimmten Organen, sodass Erkrankungen eines Organs zu Schmerzen im zugehörigen Hautgebiet führen können („übertragener Schmerz“).
Außerdem liegen in der Lederhaut die Haarwurzeln und Drüsen, die verschiedene Sekrete absondern (z.B. Schweiß, Duftstoffe, Talg). Auch Milchdrüsen sind spezialisierte Hautdrüsen. Der Stoffwechsel beeinflusst den Schweißgeruch, so kann die Ernährung den Geruch verändern und es können bestimmte Krankheiten anhand des Tiergeruchs erkannt, bzw. vermutet werden, z.B. wenn der Vierbeiner stark nach Essig, Ammoniak oder Urin riecht.

Die gefäßreiche Schicht unter der Lederhaut ist die Unterhaut. Diese besteht zum Großteil aus Binde- und Fettgewebe, dient als Energiespeicher, Wärmeisolation und verbindet die Haut mit darunterliegenden Strukturen. Hohlorgane wie der Darm haben eine spezielle Schleimhaut. Diese ist etwas anders aufgebaut, hat beispielsweise keine Hornschicht und produziert stattdessen Schleimstoffe. Im Gegensatz zur einer intakten Oberhaut, durch die hauptsächlich fettlösliche Fremdstoffe in die Haut eindringen können, können über die Darmschleimhaut Nahrungsbestandteile und Wasser aufgenommen werden. Zur Darmschleimhaut gehören viele Zellen, die Antikörper produzieren können, so ist sie ein wichtiger Teil des Immunsystems. Der Körper kann dabei zwischen Bakterien der Darmflora, Nahrungsbestandteilen und Schadstoffen oder Erregern unterscheiden. Bei Futtermittelallergikern oder Tieren mit chronischen Darmerkrankungen funktioniert das leider nicht zuverlässig.

Haare bzw. Fell werden, genau wie Krallen oder Federn, als „Hautanhangsgebilde“ bezeichnet. Die Haare werden in der Lederhaut aus Hautzellen gebildet, die beginnen, verstärkt Keratin zu produzieren. Im Laufe ihres Zelllebens verändern sie ihre Form, Ausrichtung und Größe komplett, verlieren ihren Zellkern und enden als verhornte Zellfäden. Eingelagerte Pigmente sorgen für die individuelle Farbe. Im Alter nehmen die Zellen, die Pigmente bilden ab, das Fell wird grauer. Auch Speichel, Tränenflüssigkeit oder die Aufnahme von Farbpigmenten (typisch: Karotten oder Rote Beete) kann die Farbe beeinflussen.

Unter der Haarwurzel sitzen Blutgefäße, die Nährstoffe liefern. Am Haarfollikel enden Nervenfasern, wodurch Haarbewegungen wahrgenommen werden können. Es gibt sogar kleine Muskeln, die nur dafür da sind, die einzelnen Haare zu bewegen, charmant benannt nach ihrem Job: „Haaraufrichtemuskeln“.

Das Haarwachstum verläuft nach einem genauen Schema: in der Wachstumsphase entstehen neue Zellen, in der Übergangsphase trennt sich die Haarwurzel von der Blutversorgung und in der Ruhephase wird das Haar von einem nachfolgenden aus der Haut gedrückt und fällt schließlich aus. Das Wachstum wird hormonell gesteuert, z.B. abhängig vom Lichteinfluss beim Fellwechsel im Frühjahr und Herbst. An der Wurzel des ausgefallenen Haares kann man häufig erkennen, ob das Haar in einem Lebenszykus „fertig und bereit zum Ausfallen“ oder noch in der Wachstumsphase war. Haare, die noch in der Wachstumsphase ausfallen, deuten auf krankhaften Haarausfall hin.
Fellverlust durch eine Hormonstörung
Alopezie, also der krankhafte Haarverlust, kann ein Zeichen für Mangel- oder Fehlernährung, Parasiten, Pilze, Hormon- oder Stoffwechselstörungen, Toxine, Infektionskrankheiten, Stress, Frustration, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Pflegeprodukten oder Autoimmunerkrankungen sein. Es gibt auch erblich bedingten Haarausfall, z.B. Farbmutantenalopezie, bei Hunden mit verdünnter Fellfarbe.

Bei länger bestehendem Eiweißmangel wird das Fell brüchig und stumpf, Fellverfärbungen entstehen bei Kupfer-, Zink- oder Manganmangel. Bei Haarverlust kann z.B. ein Mangel an Kalzium, Magnesium, Eisen, Zink, Jod, Selen, Vitamin A, D, E, B2, B6, Biotin oder Folsäure die Ursache sein. Ein Vitamin B12 Mangel wird konkret beschrieben mit trockenem, spröden Haar, Ergrauen, Haarausfall, Verhornungsstörungen, Schuppen und Juckreiz und auch der Mangel ungesättigter Fettsäuren kann ein raues, trockenes Haarkleid und Haarausfall verursachen. Bei Verdacht auf eine Mangelernährung sollte, statt Mineralien oder Vitamine auf gut Glück in größeren Mengen zu ergänzen, gezielt eine Rationsüberprüfung gemacht werden, um Sekundärmängel durch falsche Nahrungsergänzungen zu vermeiden.

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