Vortrag: Schneiden, scheren, trimmen - rassespezifische Fellpflege


präsentiert von:

Langhaarhund Die verschiedenen Felltypen der einzelnen Hunderassen benötigen unterschiedliche Pflege. Vom selbstreinigenden Fell eines Labradors bis hin zum pflegeintensiven Fell eines Havanesers oder Cocker Spaniels, mit langer Haarpracht. Lara Beyer gibt einen Überblick über die gesamte Bandbreite, die Evolution und Zucht zu bieten haben:
Das Deckhaar als Sonnenschutz und gegen Nässe oder Rassen, die kein Unterfell besitzen und den Einsatz von Umhängen oder Mänteln bei bestimmten Witterungsbedingungen nötig haben.
Regelmäßiges Kämmen und Bürsten verhindert - nicht nur beim Bouvier - von vornherein die Entstehung von Verfilzungen, die sonst fachmännisch von einem Hundefriseur beseitigt werden sollten. In diesem Vortrag bekommt ihr individuelle Ratschläge zum Finden des passenden Pflegezubehörs.
Windhund mit Mantel
Zecke Unabhängig von der Rasse müssen Parasiten wie Zecken und Flöhe bei allen Hunden bekämpft werden. Diese sind für die Hunde nicht nur extrem lästig, sie können auch Infektionskrankheiten übertragen oder bei starkem Befall eine Anämie verursachen. Ihr lernt verschiedene Möglichkeiten zur Vorbeugung und Bekämpfung kennen und disktuiert deren Vor- und Nachteile.
Auch Pfoten-, Krallen und Ohrenpflege sind nicht nur Wellnessprogramm sondern aktiver Teil der Prävention und Gesundheitsvorsorge: Wann ist Krallenschneiden nötig? Wie kann ich im Winter die Pfoten schützen? Wie reinige ich schonend die Ohren meines Hundes?
Hundepfoten

Dozentin: Lara Beyer
Termin: Samstag, 10.06.2017, 14:00 - 15:30
Veranstaltungsort: Leonhardstraße 19, 38102 Braunschweig
Eintritt: 10 Euro

Max. Teilnehmer: 12 Personen
Platz sichern: anmelden@diehundebarf.de
Veranstaltungskalender


"Die korrekte Fellpflege beim Hund" von Lara Beyer

- Zusammenfassung -
Felltypen

  1. Zweiteiliges Fell (z.B. Labrador, Golden Retriever, Border Collie, Schäferhund)
    • Merkmale: Deckhaar und Unterwolle, mit Fellwechsel im Frühling
    • Pflege: Unterwolle durch gründliches Bürsten entfernen (Favorit: ActiVet®-Tierhaarbürsten) und ggf. die Konturen in Form schneiden
    • Wichtig: Das Fell wird - bis auf wenige, medizinische Ausnahmen - nicht geschoren! Wenn das schützende Deckhaar abgeschnitten wird, wird mehr Unterwolle gebildet, um den Verlust auszugleichen. Die Folge ist ein Hitzestau auf der Haut, was u.a. zu Hotspots führen kann. Der Hund ist nicht mehr ausreichend vor Sonne und Nässe geschützt. Das Deckhaar wächst nicht mehr komplett nach, manchmal sogar gar nicht mehr.
  2. Rauhaarige Rassen (z.B. Airedale -, West Highland -, Norfolk - und viele andere Terrier, Schnauzer, Irischer Wolfshund)
    • Merkmale: Raues Deckhaar mit mehr oder weniger Unterwolle
    • Pflege: Bürsten, Trimmen und bei Bedarf Konturen mit der Effillierschere schneiden. Bei kastrierten Tieren kann es vorkommen, dass das Fell so weich wird, dass das Trimmen unmöglich wird. Dann darf (nicht zu kurz) geschoren werden. Auch bei sehr alten Tieren ist es besser zu scheren, weil das Trimmen dann schmerzhaft sein kann
  3. Kurzhaar/Glatthaar (z.B. Ridgeback, Weimaraner, Pitt Bull)
    • Merkmale: feste Deckhaare mit wenig oder keiner Unterwolle
    • Pflege: Unkomplizert. Hauptsächlich während des Fellwechsels bürsten
  4. Langhaar, mit immer weiter wachsendem Fell (z.B. Malteser, Havaneser, Shih Tzu, Bichon Frise, Yorkshire Terrier, Pudel)
    • Merkmale: Glattes bis gelocktes Fell mit mehr oder weniger Unterwolle bis hin zu fehlender Unterwolle. Das Haar wächst und fällt nicht so schnell aus. Daher „haaren“ diese Rassen nicht und haben keinen Fellwechsel im Frühjahr.
    • Pflege: Langhaarige Hunde müssen mindestens einmal pro Woche gebürstet und gekämmt werden, um Verfilzungen vorzubeugen. Damit sollte schon im frühen Welpenalter begonnen werden Da das einzelne Haar nicht so schnell ausfällt, sollten diese Hunde regelmäßig gebadet werden. Man benutzt ein mildes Hundeshampoo und anschließend einen Konditioner. Dieser macht das Fell glatter, damit es leichter kämmbar ist und nicht so schnell verfilzt.
  5. Mischfell
    • Merkmale: Bei einem Hund kommen mehrere der o.g. Fellformen vor.
    • Pflege: wird jeweils oben genannt. Hier sollte im Zweifel ein seriöser Hundefriseur hinzugezogen werden.

Parasiten und Fremdkörper

  1. Zecken
    • Die häufigste hier lebende Art ist der gemeine Holzbock und die braune Hundezecke, neuerdings auch die Auwaldzecke. Alle Arten können die Borreliose auf den Hund übertragen. Die Infektion erfolgt nach 24 Stunden nachdem die Zecke gebissen hat.
    • Mittel gegen Zecken:
      • Tabletten, die der Hund einnimmt. Das Insektizid geht in die Blutbahn des Hundes und bewirkt ein Absterben der Zecke nachdem sie gebissen hat.
      • Spot On Präparate. Das Insektizid wird zwischen den Schulterblättern aufgetragen und wirkt über die Haut. Die Zecken sterben nach dem Biss ab.
      • Zeckenhalsbänder, Bernsteinketten, EM-Keramik, Kokos-, Schwarzkümmelöl und verschiedene ätherische Öle sollen verhindern, dass die Zecke beißt.
    • Die sicherste Methode ist, den Hund nach jedem Spaziergang gründlich abzusuchen
  2. Flöhe
    • Flöhe sind blutsaugende Insekten, die sich rasant vermehren und Tiere und Menschen gleichermaßen befallen.
    • Erkennung: Der Hund kratzt sich häufig, da er unter Juckreiz leidet. Man kämmt das Fell mit dem Flohkamm und klopft den Kamm über einem feuchten Tuch aus. Wenn beim Verreiben rotbraune Flecken entstehen, dann handelt es sich um Flohkot
    • Maßnahmen bei Befall:
      • Den Hund mit Flohshampoo oder -puder (z.B. Kieselgur) behandeln
      • Umgebung (Körbchen, Textilien, Spielzeug, Kofferraum/Hundebox etc.) waschen bzw. reinigen
      • Bei starkem Flohbefall ist eine Wurmkur bzw. Kotuntersuchung zu empfehlen, da Flöhe Bandwürmer übertragen können
    • Prophylaxe:
      • Flohhalsbänder (hilft nicht bei Befall!)
      • Spot-ons
      • ätherische Öle
      • regelmäßiges Absuchen des Fells
  3. Milben
    • Grasmilbe: löst Juckreiz aus und kann zudem Allergien auslösen
    • Prophylaktisch können Spot-ons oder Sprays eingesetzt werden. Außerdem sollte der Rasen im Garten kurzgehalten und Grasschnitt und Moos entfernt werden. Leidet der Hund unter starkem Juckreiz, sollte der Tierarzt konsultiert werden.
    • Ohrmilben sind Parasiten im äußeren Gehörgang und in der Ohrmuschel. Sie werden von Hund zu Hund übertragen. Sie äußern sich durch starken Juckreiz. Neben Kratzen schüttelt der befallene Hund oft den Kopf. Zudem ist das Ohr gerötet und geschwollen, nässende Ekzeme bilden sich. Ohrmilben können eine Entzündung des Gehörgangs auslösen. Ein Tierarztbesuch ist sinnvoll!
  4. Grannen
    • bezeichnen die mit Widerhaken versehenen haarartigen Auswüchse an Gerste und Roggen.
    • können sich in die Haut des Hundes bohren und bewegen sich unter der Haut bis ins Innere des Hundes
    • bohren sich häufig durch die Pfote. In den schlimmsten Fällen dringen sie in Ohren, Nase oder Augen ein.
    • Hunde sollten von Roggen- und Gerstenfeldern ferngehalten und nach Sparziergängen in Feldnähe gründlich abgesucht werden

Sonnenschutz und Temperaturregulierung

  • Hunde können nicht über die Haut zur Temperaturregulation schwitzen, sondern kühlen über Zunge und Pfoten
  • Bei hellem Fell sollte an Stellen mit wenig Fell ein guter Sonnenschutz aufgetragen werden
  • Ausreichend Schatten zur Verfügung stellen (kühle Räume, Bäume/Sträucher)
  • genug Wasser zum Trinken oder auch Baden anbieten
  • anstrengende Aktivitäten in großer Hitze sollten vermieden werden
  • Asphalt wird für Hundepfoten sehr heiß, bis hin zu Verbrennungen
  • Niemals den Hund im geschlossenen Auto in der Sonne lassen!

Werkzeuge

  • flexible Bürste mit abgewinkelten Metallborsten
  • Metallkamm
  • Flohkamm
  • bei langhaarigen Hunden empfiehlt sich die Nutzung von Babypuder gegen leichte Verfilzungen
  • Coat King oder Furminator nur für bestimmte Rassen (umfassend beraten lassen!)

Krallen

  • lange Krallen können Probleme beim Laufen verursachen
  • bei großen Hunden und Hunden, die viel auf Asphalt laufen, nutzen sich die Krallen meist automatisch ab
  • bei kleinen Hunden müssen die Krallen regelmäßig mit einer Krallenzange gekürzt werden. Dabei ist zu beachten, dass man keine Blutgefäße verletzt

Pfoten

  • Ballen sollten regelmäßig auf Risse und Verletzungen kontrolliert werden
  • Im Winter sollten die Pfoten aufgrund von Streusalz nach dem Spaziergang mit Wasser gereinigt und danach mit Pfotenbalsam eingecremt werden
  • Bei Hunden mit lockigem Fell sollten die Zwischenräume zwischen den Zehen und den Ballen auf Verfilzungen kontrolliert werden

Zahnpflege

  • Um die Bildung von Zahnstein zu vermindern, sollten dem Hund die Zähne gereinigt werden.
  • Es gibt spezielle Zahnbürsten und -cremes im Zoofachgeschäft, oft sind auch Kinderzahnbürsten geeignet. Die Zahnpasta darf keinen Xylit (Xylitol, Birkenzucker, E 967) enthalten, dieser ist für Hunde gifig!
  • Zur Zahnreinigung können auch bestimmte Kauartikel verwendet werden
  • Zudem sollte das Gebiss regelmäßig vom Tierarzt kontrolliert werden

Pflege der Ohren

  • Hunde mit stehenden Ohren haben in der Regel weniger Probleme mit Verschmutzung der Ohren
  • Bei Hunden mit hängenden Ohren muss regelmäßig kontrolliert werden, ob die Ohrmuschel verschmutzt ist und ggf. mit einem feuchten Tuch vorsichtig ausgewischt werden – auf keinen Fall sollte in den Gehörgang eingedrungen werden, z.B. mit Wattestäbchen.
  • Bei manchen Rassen müssen regelmäßig abgestorbene Haare aus den Ohren vorsichtig entfernt werden
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